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Betrug online Von kleinen Gaunern und großen Abzockern von Dirk Ternes |
Wer
das Internet mit einer Stadt vergleicht, liegt gar nicht mal so falsch. Hier wie
dort gibt es neben aufgeräumten Vierteln auch Rotlichtbezirke und Ecken, die
man am besten mit Vorsicht betritt.
Unwahr ist allerdings, dass es im Internet von kleinen Kriminellen, die einen
übers Ohr hauen wollen, nur so wimmelt. Es wird einfach häufiger darüber
berichtet.
Wie beispielsweise über jene Spanier, die von einem englischen
Spamming-Betrüger über den Tisch gezogen wurden. Wie die Internet World meldete, sendete der Brite einigen tausend
Spaniern eine E-Mail, in der sich bei ihnen dafür bedankte, dass sie
Computerzubehör im Wert von etwa 1000 Mark gekauft haben. Die Summe würde in
den nächsten Tagen vom Kreditkarten-Konto der Kunden abgebucht werden. Falls
man vom Kauf zurückzutreten wünsche, könne man den Kauf jedoch problemlos
stornieren, indem man über eine kostenlose Telefonnummer anrufe. Das taten die
aufgebrachten E-Mail-Empfänger auch – und landeten bei einer
gebührenpflichtigen Nummer, die ähnlich den deutschen 0190-Nummern happige
Minutengebühren kostete. An den trickreich ergaunerten Telefongebühren, die
über eine chilenische Telefongesellschaft an eine spanische Firma
weitergeleitet wurden, konnte sich der Brite jedoch nur kurz erfreuen. Denn die
Polizei konnte über die gesendeten E-Mails seine Adresse ausfindet machen und
brachte ihn hinter - gar nicht virtuelle – schwedische Gardinen.
Der billige Trick mit der teuren Telefonnummer ist ebenso beliebt wie alt. Schon im Jahr 1997 wurde Surfern in den USA und Kanada die Gelegenheit offeriert, sich kostenlos Bilderchen über nackte Tatsachen mit einem kleinen Programm anzuschauen, dass von den entsprechenden Webseiten heruntergeladen werden konnte. Das Programm stellte unbemerkt eine dauerhafte Verbindung zu einem moldawischen Provider her, der über eine gebührenpflichtige Telefonnummer abkassierte. Vom unbemerkten Hack ihrer DFÜ-Verbindung bekamen die Opfer erst Wind, als ihnen bis zu vierstelligen Telefonrechnungen ins Haus flatterten. Auch in Deutschland gibt es zuhauf kostenlose Exe-Dateien, die eine Internetverbindung über eine 0190-Nummer herstellen. Nicht immer ist es Betrug, denn wenn die Programme ankündigen, dass die Beschau von pornografischen Bildern mit Hilfe einer 0190-Nummer ermöglicht wird, sollte klar sein, welche Auswirkungen der visuelle Telefonsex auf die nächste Telefonrechung hat.
| BKA und Provider bekunden gemeinsames Vorgehen gegen Kriminalität |
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Die deutschen Internetprovider und das Bundeskriminalamt einigten sich
in der vergangenen Woche auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die
Online-Kriminalität, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung bekundeten.
Dabei konzentrieren sich die gemeinsamen Anstrengungen vor allem auf die
Verhinderung der Verbreitung und den Besitz pornografischer Dateien, gegen
die
Veröffentlichung von gesetzwidrigen Propagandaschriften,
Wirtschaftskriminalität, Softwarepiraterie, Betäubungsmittel- und Waffenkriminalität sowie
Hacking und Computersabotage. |
Falsche Mails, falsche Produkte
Nicht nur über die nächste Telefonrechnung versuchen Betrüger an das Geld zu kommen. Ein immer wieder beliebter Trick, illegal an die Kreditkartennummer und Kontoinformationen zu gelangen, besteht darin, sich per gefälschter E-Mail als Provider auszugeben, der die Informationen benötige, weil sonst der Zugang zum Internet gesperrt werden müsse. So warnen Provider wie Compuserve oder AOL alle Jahre wieder davor, derartige Informationen an Dritte weiterzugeben. Zuletzt vor dem Jahreswechsel, nachdem Nutzern von Compuserve eine Mail mit der Unterschrift "Copyright 1999 CompuServe Interactive Services, Inc" ins elektronische Postfach flatterte, in der ein angeblicher Mitarbeiter behauptete, er benötige die Bankinformation, weil es sonst wegen des Y2k zu Problemen komme. Dabei fragen Mitarbeiter dieser Provider niemals nach Kreditkarten und Kontonummer und sollten umgehend informiert werden, wenn man eine derartige Mail erhält.
| Gehackte Daten |
| Wem es zu umständlich ist, via E-Mail die Kreditkarteninformationen seiner Zeitgenossen zu erfragen, kann es auch mit einem zünftigen Hack versuchen. Wie der junge Mann, der sich Maxus nannte und angab, aus Russland zu kommen. Er crackte den Server des Online-Musikhändlers CD Universe und stahl eine Datenbank mit 300.000 Kreditkarten, wie die Washington Post berichtete. Anschließend erpresste er von dem Musik-Händler rund 100.000 Dollar. Anstatt in die Brieftasche griffen die jedoch zum Telefonhörer und riefen das FBI. Die rieten zum Spiel auf Zeit. Im Dezember schließlich verlor der Hacker die Geduld und veröffentlichte die Kreditkartinformationen samt Namen und Adresse auf einer eigens eingerichteten Webseite. Zwar wurde die Site schnell geschlossen, doch bis dahin schauten sich etwa 25000 Besucher die sensiblen Daten an. |
Auch, wer eine gefälschte Rolex kaufen möchte, muss nicht mehr den mühseligen Weg ins Bahnhofsviertel seiner Stadt antreten. Einfach online bestellen, schon kommt die Fälschung ins Haus. Denn etwa vier bis acht Prozent aller Webseiten, die Luxusprodukte von Gucci, Rolex und anderen vertreiben, verkaufen ihren Kunden Imitationen. Dies schätzt das Marktforschungsunternehmen Cyveillance, das insgesamt 50.000 Webseiten untersuchte. "Wenn die Online-Verkäufe auch nur fünf Prozent des 150 Millionen-Dollar-Marktes für Luxusartikel ausmachen, bedeuten schon zwei Prozent einen Umsatzverlust in der Größenordnung von hunderten von Millionen Dollar", rechnete Brandy Thomas, geschäftsführender Vorsitzender von Cyveillance, vor. Darin einbezogen ist noch nicht einmal der Imageschaden der betroffenen Firmen.
| Selbstgemachte Börsenkurse |
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Das schnelle Geld mit der Börse lockt auch immer wieder Betrüger an,
die das Internet als Hilfsmittel für eine kleine Gaunerei benutzen. Ende
Dezember 1999 beispielsweise nahm die amerikanische Börsenaufsicht drei
Männer fest, die unter Benutzung von 50 Decknamen etwa 500 Botschaften an
Börsen-Newsgroups schickten und damit den Aktienkurs eines Unternehmens (NEI
Webworld) von 13 Cent auf 15,5 Dollar hochtrieben. Nicht, ohne zuvor rund
97 Prozent der Aktien des bankrotten Unternehmens gekauft zu haben. Gewinn
für die drei Amerikaner: 364.000 Dollar. |
Doch nicht nur Endverbraucher werden Opfer von Betrug, auch Unternehmen
fallen immer wieder auf üble Schurken herein. "Cramming"
heißt eine Masche, vor der
amerikanische Behörden vor allem kleine Unternehmen und uneigennützige
Organisationen warnte. Dabei richten die Betrüger einfach unaufgefordert
Zweit-Homepages des Unternehmens-Webauftritts ein, die sie unter zweifelhaften
Netzadressen hoch laden. Für ihre unerwünschte "Dienstleistungen"
verlangen sie anschließend Gebühren, die sie – in den USA möglich – unter
Angabe dubioser Verwendungszwecke mit der Telefonrechnung des Unternehmens
einfordern. Vor allem in kleinen Unternehmen mit unzureichender Buchführung
geht der Trick durch, wenn die Sachbearbeiter mit der Rechnungsbearbeitung
überfordert sind. Die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) erhielt
im Jahr 1998
knapp 10.000 Beschwerden von betroffenen Unternehmen; im Jahr 1996 waren es
gerade einmal 200. Die FTC schätzt, dass rund eine Millionen Firmen vom
Cramming betroffen sind.
Insgesamt jedoch geht es im Internet allen Unkenrufen zum Trotz relativ
gesittet zu. Zwar gibt es Betrug, Diebstahl und Urheberrechtsverletzungen ebenso
wie in der realen Welt. Doch im globalen Dorf mit seinen 150 Millionen Einwohnern
sind sie zum Glück recht selten.
09/2000, 28. Februar